Römer und Römer

" electric cloud"

30. August - 29. September 2018

 

RÖMER + RÖMER - ELECTRIC SKY

 

Malereizyklus über BURNING MAN 2017

 



 

Nach der mehrjährigen Arbeit an der Motivsuche und dem malerischen Prozess

 

über das FUSION Festival, hat sich das Künstlerpaar Römer + Römer 2017 für ihr neuestes Projekt auf eine „postmoderne Pilgerreise“ zum BURNING MAN in die USA begeben. Von Liebeskummer geplagt, veranlasste einst der Gründer Larry Harvey mit nur 20 Teilnehmern im Jahre 1986 eine spontane und eher private Zusammenkunft am Baker Beach in San Francisco. Daraus entwickelte sich über die Jahre ein riesiges Festival, das seit 1990 in der Black-Rock-Wüste in Nevada stattfindet, acht Tage dauert, traditionell am ersten Montag im September endet und dessen Höhepunkt jeweils das Verbrennen einer sich jährlich verändernden menschlichen Statue ist. Während des Festivals entsteht in der 150 km nordöstlich von Reno gelegenen Wüste die temporäre Stadt „Black Rock City“ mitsamt Krankenhaus, die hinterher wieder komplett abgebaut wird. BURNING MAN bezeichnet sich selbst als eine große Kunstausstellung. Es ist ein Ort intensiver Selbstdarstellung und eine große Party mit heutzutage 70.000 Teilnehmern.

 

In der Nachfolge der Beatniks, Hippies und anderer sozial prägender Gruppierungen spiegelt sich vor Ort eine synästhetische Kunst- und Weltwahrnehmung wieder.

 

Abseits der digitalen Medienwelt trifft sich aus aller Welt eine bunte Mischung von Sinnsuchern, Abenteurern, Performern und Ravern, wie auch von Kostümbildnern aus dem Hollywood-Milieu, Pyro-Künstlern und der Technologie-Elite aus Silicon Valley. Da ruhen die Geschäfte und das alltägliche Leben beim Eintauchen in eine Phantasiewelt; bedürftig nach Ästhetik und Schönheit möchte die Versammlung der euphorisierten Neugierigen kollektive transzendentale Energien akkumulieren.

 

Nach dem Soziologen Walter Holstein wäre das Ziel solcher Alternative eine antiautoritäre und enthierarchisierte Welt- und Wertordnung ohne Klassenunterschiede, Leistungsnormen, Unterdrückung, Grausamkeit und Kriege.

 

BURNING MAN ist sinnbildhaft für eine etablierte Parallelwelt. Hier sucht man nach dem temporären herzlichen Miteinander, kaufen kann man dort nichts, die Tauschwirtschaft steht im Zusammenhang mit Kreativität und Emotionalität. Extreme Erfahrungen in der Wüste werden begleitet vom Konsum von Drogen.

 

Bekannt unter dem Begriff plug-n-play, geht es dem „Mainstream-Burner“ darum, sich auf die Spielregeln einzulassen und sich so mit dem Strom der Gegebenheiten zu manifestieren. Radical self-reliance (übersetzt: radikale Selbstverantwortung) stellt zu der Einstellung zwar einen Gegensatz dar, doch beides ist bei diesem Festival vereinbar und geht Hand in Hand.

 

Das Thema des Festivals 2017 haben die Veranstalter mit „Radical Ritual“ bewusst gewählt. Der Name ist Programm; es ist die Abwendung vom „profanen“ irdischen Geschehen und somit auch Ausdruck der Abgrenzung von der aktuellen politischen Lage der USA. Die Veranstalter schrieb dazu: „Jenseits der Dogmen, Glaubensbekenntnisse und metaphysischen Ideen der Religion gibt es unmittelbare Erfahrung. Aus dieser Urwelt entsteht lebendiger Glaube. Im Jahr 2017 ludt das Festival die Teilnehmer ein, interaktive Riten, rituelle Prozessionen, aufwendige Bilder, Schreine, Ikonen, Tempel und Visionen zu schaffen. Heilige Dinge scheinen aus einem anderen Ort zu kommen, der jenseits von Raum und Zeit liegt.“

 

Neugierig wollten Römer + Römer beobachten, wie sich dieses Festival in Zeiten von Donald Trump gestaltet; ob sich eine noch weltabgewandtere oder eher eine konfrontativere Stimmung ausbreitet., ob sich die temporäre 70.000-Seelen-Stadt Black Rock City in ihren Ausformungen von den neuesten Entwicklungen in Frage gestellt fühlt oder sich die Kraft und Ausstrahlung noch verstärkt in einer Alternative zum aktuellen politischen Geschehen zu stehen.   

 

Einer spektakulären „Reality“ wollten Römer + Römer auf die Spur kommen, die Science-Fiction-haft anmutende Szenerie mit den berüchtigten skurrilen Art-Cars, Lauf-Mutantenfahrzeugen und brennenden Skulpturen erleben, in Fotografien festhalten. Passend zu dieser üppigen Inszenierung haben die Künstler, ausgerüstet mit unterschiedlichen Kameras und schützenden Gehäusen, das immer wieder von Sandstürmen heimgesuchte Revier betreten.

 

Bei der Rückkehr aus der Wüste hat das Künstlerpaar, sich die Zeit genommen, die Motive auf sich wirken zu lassen und auf ihre Essenz zu untersuchen. Basierend auf der Sichtung ihrer tausenden fotografischen Impressionen haben sie sich auf das malerische Parkett begeben und arbeiten an nun an dem Zyklus, welcher vor allem die nächtliche Situation auf dem Burning Man fokussiert, bei der Licht- und Feuerinszenierungen im Vordergrund stehen.